MotorradUeberwintern


Hinzugefügt von Markus am 24.09.2002





Das geliebte Motorrad richtig über den Winter bringen

Dieser Bericht wurde von Harry am 23. September 2002 im TL1000-Forum geschrieben.


Guten Tach,

nachfolgend nochmal ein paar Tips fürs Überwintern, mit der gleichzeitigen Bitte um Nachsicht an alle „erfahrenen“ Windgesichter, die solche Empfehlungen vielleicht schon nicht mehr hören können.

Wie immer übrigens, alles ohne Gewähr und auf eigene Verantwortung.

Vorab, hier geht es um die Stilllegung für einen Zeitraum von ein paar Monaten, sowie Empfehlungen für „Nicht-Mechaniker“. Wer seinem Schätzchen eine längere Auszeit geben will, muss noch ein paar weitergehende Massnahmen treffen, die hier jetzt nicht angesprochen werden. Und wer wesentliche Umbauten in Angriff nimmt, der wird ohnehin einige Teile säubern, erneuern oder neu justieren müssen.

Zunächst die Einkaufsliste:

Fahrzeugspezifisch

  • Ölfilter
  • Motoröl
  • Kühlflüssigkeit

Sonstiges
  • Polfett
  • Kontaktspray
  • Lackreiniger/-Konservierer
  • Kupferpaste
  • eine Handvoll kleine Holzkeile
  • Diverses zur „Behandlung“ siehe nachfolgend :
    • Für Metall- und Aluteile „rückfettende“ Mittel verwenden, z.B. Nevr-Dull. Auch sehr empfehlenswert und in der Regel preiswerter als die „Biker-Mittelchen“ für ( polierte/glatte ) Metallteile sind Produkte der Fa. RUNGE, erhältlich im guten Fahrradhandel (!)
    • Als Geheimtip, absolutes Allroundmittel, extremst sparsam aber recht geruchsintensiv hat sich das Waffenöl „Ballistol“ bewährt. Das Zeug kriecht in die kleinsten Ecken und ist so rein, dass es als Desinfektionsmittel bei Zeckenbissen verwendet wird. ( erhältlich im Waffenhandel )
    • Für Gummiteile gibt’s entspr. Pflegemittel, billiger geht es mit Glycerin aus der Apotheke
    • Aufpassen mit div. Lack- und Kaltreinigern an verschiedenen NICHT lackierten Kunststoffoberflächen wie zum Beispiel der Sitzbank, Schalter etc. Die Mittel härten aus und können die Oberfläche dauerhaft verfärben.
    • Sollte insbesondere die Sitzbank trotzdem mal weisse Stellen abbekommen haben ( ganz lustig bei Politur ), dann sind diese Rückstände mit dem amerik. TV-Supermittel „Quick&Bride“ zu entfernen. TV-Bestellung übrigens nicht notwendig, das Zeug gibt es auch billiger in der Metro, neuerdings auch bei den grossen 3. Anschliessend mit Amour All – Vinylpfleger o.ä. behandeln.
    • Desweiteren lohnt ein Blick in Muttis ( oder „Bella’s“ ) Wandschrank und unterm Spülbecken. Da schlummern einige Mittel fürs Moped, die wesentlich preiswerter und trotzdem ungefährlich und wirksam sind. ( z.B. HaRa? )

Und los geht’s:

1) Motorrad gründlich reinigen. Dampf- oder Hochdruckreiniger sind garnicht sooo schlimm wie immer behauptet wird, man sollte eben halt den Strahl nicht direkt auf Rad- und Schwingenlager, Kette etc. oder in sehr versteckte Ecken halten. Übermässiges „behandeln“ von Kabelbaum und anderen elektr. Kontakten ist ebenfalls zu vermeiden.
2) Anschliessend eine 30km-Trocken-Tour, bis der Motor Betriebstemperatur hat und das Fahrzeug schön luftgetrocknet ist, an der nächsten Tanke volltanken ( Luftdruck um 0,3 – 0,5 bar erhöhen, falls keine Möglichkeit besteht, beide Räder über Winter komplett zu entlasten ) und auf’m kürzesten Weg nach Hause.
3) Sitzbank und Höcker runter, Tank hochklappen. Lufigehäuse aufschrauben
4) Während das Motoröl abläuft kann endgereinigt und konserviert werden. Wie und was ergibt sich mehr oder weniger aus der obigen „Einkaufsliste“.
5) KETTE : Wer keinen Scotoiler, Fettkettenkasten oder einen Riemenantrieb sein eigen nennt, dem empfehle ich Reinigung und Schmierung mit dem „Ketten-Max“ ( siehe Beitrag im Forumsarchiv )
6) BETRIEBSSTOFFE :
ÖL : Das Motoröl ist nebst Filter zu wechseln. Definitiv. Bis zum oberen Rand der Einfüllöffnung würde ich nur auffüllen, wenn kein Winter, sondern eine Eiszeit bevorsteht. Konservierungsspezialzeugs ist nicht erforderlich, aber ein halbes Schnapsglas Motoröl in den Brennraum( Zündkerzenöffnung ) schadet nicht. Motor mit Anlasser einmal kurz drehen lassen. Zündkerze mit ein wenig Kupferpaste wieder einsetzen. Achtung, nicht mit grossem Hebel „anknallen“.
KÜHLMITTEL : Kühlmittel mit entspr. Frostschutz lt. Herstellerempfehlung wechseln, wie Öl, wenn Motor noch warm ist.
BREMSFLÜSSIGKEIT : Diese Zeugs ist hygroskopisch = wasseranziehend. Ich würde es NACH der Winterpause, VOR der neuen Saison in JEDEM FALL WECHSELN.
7) ELEKTRIK : Steckverbindungen an Kabelbaum, Schaltereinheiten, Beleuchtungsanlage, Unterbrechungsschalter Seitenständer etc. etc. sowie Zünd- kerzenstecker mit Kontaktspray einsprühen. Dies verdrängt Restwasser vom Reinigen und verhindert Korrosion. ( Wer viel Zeit und Musse hat, kann auch Scheinwerfer INNEN mal checken aber Achtung, nicht auf den Reflektor fassen, wird sonst blind )
BATTERIE ausbauen und Säurestand checken. Wer keine Messgeräte hat bzw. sich nicht sicher ist, diverse Boschdienste etc. checken die Batterie und füllen nach, oft für kleines Geld. Achtung bei „Wartungsfreien“, die Stopfenleiste NICHT „zum gucken“ entfernen, da sonst Sauerstoff eindringt, und schon mal eine Neue bestellt werden kann. Wer eine recht neue Batterie hat, „über Winter“ an ein geregeltes (! = kontrolliertes Laden/Entladen) Ladegerät in einem trockenen und kühlen (!) Raum hängen
8) FAHRWERK / Anbauteile : Es schadet nicht, Vorder- und Hinterrad bei der Gelegenheit mal auszubauen, und die dann erreichbaren Teile zu säubern und zu fetten. Gleichzeitig sieht man, was mit den Bremsbelägen los ist, und entdeckt so manch‘ lose oder gar fehlende Schraube. Achtung : Bei letzterem zum Fachmann/ Händler gehen. Eine M8 am Fahrwerk ist etwas anderes als eine M8 an der Eckbank in der Küche. „Fahrzeugschrauben“ haben andere Festigkeitswerte als die Sachen aus dem Baumarkt oder was Opa noch in der Wühlkiste liegen hat. Also informieren und ggf. ein paar Euro ausgeben. Siehe hier auch Kennzeichen- und Schutzblech- befestigung, Seitenständer, Auspuffanlage etc. Aber das muss dann jeder selbst wissen, wie weit er geht, oder gehen kann. An dieser Stelle kommen übrigens die kleinen Holzkeile zum Einsatz, um ein Herausdrücken der Bremsbeläge nach dem Radausbau zu verhindern ;o)
9) LUFTFILTER : Kasten und Filter wenn erforderlich vorsichtig säubern, Filter ggf. erneuern

Wenn das dann alles so „durch“ ist, Moped am besten ins Wohnzimmer stellen. Sollte dies am Umfeld oder dem fehlenden Aufzug scheitern, trocken und in einem belüfteten Raum abstellen, am besten BEIDE Räder in der Luft mit entsprechenden Ständern etc. Die Leute, welche letzters nicht realisieren können haben ja, wie oben beschrieben, etwas mehr Luft in den Reifen. Selbige sollten auch das Fahrzeug alle 3 Wochen ein wenig bewegen/ verschieben, um Deformationen an der Aufstandsfläche der Reifen zu verhindern.

Zu guter Letzt, wenn das Moped nach der Winterpause wieder aktiviert wird,

a) Bremsflüssigkeit wechseln
b) nach einer Probefahrt den Kühlmittelstand checken, und ggf. auf vorgeschriebenen Stand nachfüllen.
c) Luftdruck checken.

Hört sich alles viel an, ist aber im Rahmen einer Grundreinigung garnicht so aufwendig. Eine helfende Hand kann nicht schaden, und für solche Sachen wie „Bremssättel“ nach dem Winter nachziehen, hilft ein auf den Tank geklebtes Zettelchen ungemein. Es wird nämlich sonst garantiert vergessen.
Achso, wenns Moped in einer belüfteten Garage steht, reicht zum Abdecken anstelle eines High-Tech-Membran-Kondoms auch ein altes Spannbetttuch.

PS: Zündschlüssel NICHT den ganzen Winter stecken lassen. Könnte sein, das der fest geht ( nicht lachen, schon passiert )

So, wenn ich was vergessen habe, sorry - sagt es mir.

Ansonsten viel Spass.

Rheinland-Gruss von Harry-der-nicht-einmottet.


Anmerkungen zu Batterien:

Überwinterung von Gel-Batterie

Die Selbstentladung von Gel-Akkus ist äusserst gering. Auf keinen Fall aber ein normales Ladegerät verwenden - Du brauchst auf jeden Fall eines für Gel-Akkus (oder ein solches das ausdrücklich hierfür geeignet ist).

Laden solltest du sie auf jeden Fall da schlechter Ladezustand die Batt kälteemfindlich macht, und Tiefentladung die Batt "Schwachbrüstig" macht( wenn nicht gar kaputt).
Als Ladegerät nur ein elektronisch Geregeltes mit Ladeschlussspannung benutzen um ein Überladen zu vermeiden(bei gel batt ganz ganz schlecht).


Letzte Änderung: 7.1.2003 22:41:08 - Autor: Markus - Letzter Autor: Markus
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